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enno zweyner | druckreif

Die neue Kaffee.Satz.Lesen Anthologie mit "Krokodileier" ist erschienen. Kaufen!

Kaffee.Satz.Lesen 13-30 mit Enno Zweyners "Krokodileier"

enno zweyner | leseprobe

Vladimir

Ich stolpere an den Bäumen vorbei aufs weite Feld, höre Laufgeräusche und das Geräusch von schwerem Atem direkt hinter mir. Ich erhöhe noch einmal mein Tempo, blicke über die Schulter zurück. Es ist die armlose Gestalt, die mich verfolgt und mir bereits fast an den Fersen klebt. Ein Mann, vielleicht vierzig Jahre alt, schätze ich und versuche, Haken zu schlagen, um ihn mir, wenigstens kurzfristig, vom Leib zu halten. Als ich das zweite Mal die Richtung ändern will, ist aus dem Waldstück plötzlich ein lauter Knall zu hören.


Ein Schuss, denke ich, bremse abrupt ab, drehe mich um und sehe noch, dass sich die Gestalt hinter mir auf den Boden wirft. Wie paralysiert stehe ich mitten in dem Getreidefeld und blicke auf das Waldstück.
„Runter schnell“, ruft mir der am Boden Liegende zu. Ich glotze ihn entgeistert an. Er trägt einen walrossartigen Schnurrbart, und die zwei Worte, die er mir entgegengeschmettert hat, sind mit schwerem Akzent, mit rollendem R und in die Länge gezogenen Vokalen, gesprochen worden. „Was?“, frage ich ein wenig idiotisch.„Runter, runter“,


wiederholt er, „Ramonow schießen gut,er gutes Schütze, runter.“ Es fällt ein zweiter Schuss. Ich werfe mich ebenfalls auf den Boden. Aus Richtung des Waldstücks ist das Gebrüll eines Mannes zu hören.
„Ist das Russisch?“, frage ich Walrossbart.

 

enno zweyner | whois

kollaboration von nils mohl + oliver kemmann begonnen im mai 2003

der hamburger nils mohl (*1971) und der mainzer oliver kemmann (*1969) lernen sich im märz 2003 beim skifahren in moos, südtirol kennen. in den nächsten monaten folgt ein reger gedankenaustausch via elektronische post. man entdeckt ein gemeinsames interesse für spontandichtung, gebrauchslyrik und unkonventionelle verskunst. binnen zweier monate verfügt man über einen katalog von 101 miesen poemen. aus diesem material wird der zyklus „in unserem ward'schen kasten“ destilliert, der von heinz ludwig arnold für die endrunde des 11. open mike in berlin ausgewählt, dort vom publikum gefeiert und von der jury bei der preisvergabe übergangen wird.

derzeit arbeiten die beiden autoren an einem erzählprojekt mit dem programmatischem arbeitstitel "äktschn!".

Enno Zweyner | kaffee.satz.lesen, hamburg 2005 Enno Zweyner
Fotos verlinkt von flickr

enno zweyner | äktschn!

erzählungen

"[..]vollmundig irrsinnige Gegenwartsliteratur." Mainzer Allgemeine vom 1.6.2005

ein leer stehendes hochhaus, ein wettkampf: ein junger mann und ein kleines mädchen hetzen von stockwerk zu stockwerk. sie sind elevatoren, es ist das finale, und es geht nur um eins in dieser eröffnungsgeschichte, den sieg. (s.a. bellatriste 11 01|05) und auch in den anderen erzählungen ist der titel programm: die protagonisten sind gehetzte, gejagte, ruhelose. da ist der kurierfahrer, der in der nacht auf einer einsamen landstraße mit seinem wagen liegen bleibt und auf vladimir trifft, einen kirschpflücker, der auf der flucht ist vor ramonow, dem wild um sich schießenden liebhaber seiner exfrau. da sind die wilkows, die sich im zug und auf der hochzeitsreise nach venedig befinden, als gernot wilkow nicht einschlafen kann und versucht, hinter das geheimnis von signora venezia zu kommen, die im nachtexpress dubiose dienstleistungen anbietet. da ist frank bruster, der jemanden einen gefallen schuldig ist und deshalb in zwölf stunden und bei klirrender kälte sechs krokodileier unversehrt einmal quer durch die republik befördern muss…

 

enno zweyner | über „Äktschn!“

„was uns die geschichten sagen sollen? also bitte! es sind geschichten. dinge wie, was weiß ich, tiefenstruktur und dieser ganze blablabla, das interessiert mich, ehrlich gesagt, nicht die bohne, dieses ganze gewäsch, dieses literaturliteraturzeugs. ich will, dass was passiert, dass es ordentlich kracht. nennen sie es von mir aus popcornprosa."

 

hermann kurzke | über „Äktschn!“

„Mit wenigen Strichen ist die Situation da, die Spannung geweckt, die immer bis zum Schluß vorhält. Alles knapp, kein überflüssiges Wort, treffend, oft mit flapsiger Komik, latent tragisch."

 

enno zweyner | es ist trotzdem so

lyrikzyklus | beitrag für den open mike 2003


(...) und peng augenblicklich herrscht
stille die reviergesänge der vorstadtgrillen
verstummen keiner lacht genau das aber
will ich will dass jetzt gelacht wird doch
niemand tut mir den gefallen viel später
erst als jemand anderes etwas zum besten
gibt erzählt dass definitiv jeder einen tod
gut hat was zugegeben nicht nur ganz geil
klingt sondern in der sache auch noch richtig
ist schwingt könig frohsinn dann wieder
sein zepter cut schwarzbild (...)

(aus: fernsehfresserpicknick)

 

heinz ludwig arnold | über „enno“

"Bei erster, oberflächlicher Lektüre vermeinte ich in den Gedichten eine Art Rapsound zu vernehmen. Vor allem fällt dann aber in den ausnahmslos aus Zweizeilern gebauten Texten eine spielerische, vexierhafte Kombinatorik von Wirklichkeitspartikeln auf, die gleichsam zusammengesetzt wurden, als wäre da eine Welt aus Informationsfetzen nur deshalb zusammengesetzt, um zu demonstrieren, was in dem Gedicht "ins auge die welt geleert" steht, nämlich die Zeile: 'und die daten lösen sich bit für bit auf'."

Heinz Ludwig Arnold über den Zyklus "in unserem ward'schen kasten" in seiner Einleitung zur Finalrunde des openmike im November 2003.


 

showdown | enno online (links)

KSL (Leseprobe)


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Enno Zweyner | quartier mayence, mainz, 2005
Foto: Heike Rost